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Was uns bewegt - Gedanken zum Konkflikt im Nahen Osten und zum Antijudaismus unter Muslimen
Was uns bewegt - Gedanken zum Konkflikt im Nahen Osten und zum Antijudaismus unter Muslimen

Schwerin, den 18.05.2021

Es ist eine ausgesprochen schwierige Angelegenheit, da die Lage mehr als verworren ist. Viel zu wenig ist auch medial kommuniziert worden, dass die Unruhen konkret in Jerusalem anscheinend vor allem aus zwei Gründen eskaliert sind und schon dort hunderte Verletzte zur Folge hatten.

Es muss der Sache nachgegangen werden, warum es zu den Exmittierungen arabischer Familien aus ihren Häusern kommt in Sheikh Jarrah.

Es ist auch zu fragen, warum Sicherheitskräfte auf das Territorium des für Muslime drittheiligsten Gotteshauses, der Al-Aqsa-Moschee, vorgerückt und in die Moschee gewaltsam eingedrungen sind, während darin und außerhalb der Moschee tausende Muslime dort versammelt waren und sich mitten im Gebet gegen Ende des Ramadan zu "Lailat al-Qadr" befanden. Man sah die Rauchschwaden im Betraum. Das muss von unabhängiger Stelle geprüft werden.

Viele Leute waren im arabisch geprägten Ost-Jerusalem erbost darüber, dass schon seit Beginn des Ramadan Bereiche der Altstadt gesperrt worden sind, um Versammlungen zu verhindern. Man sah Aufnahmen, wo Provokateure Häuser muslimischer Gemeinschaften beim Fastenbrechen draußen mit Davidsternen mittels grellem Blaulicht angestrahlt hatten. ...

Das Fass zum Überlaufen brachten die Vorgänge in und um die al-Aqsa-Moschee sowie die drohenden Exmittierungen von Familien im Stadtteil Sheikh Jarrah. Die Menschen fühlen sich extrem benachteiligt und ungerecht behandelt, und das nicht zum ersten Male. Und was alles noch so passiert ist, wissen wir ja gar nicht. ...

Und dann kam die Hamas mit ihren Raketen. Es ist zu vermuten, dass dies auch mit Machtkalkül zu tun hat. Denn die Hamas sucht wohl Machterweiterung über Gaza hinaus. Die zumeist eher unpräzisen Raketen treffen natürlich vor allem Zivilisten, die sich in Bunkern, Kellern und Hausgängen verstecken müssen. Einige Tote sind leider schon zu beklagen. ...

Die Hamas weiß genau, was dann passiert. Dann kommen die israelischen Bomben, die viel "effektiver" sind. Man sieht mit Grausen die in sich zusammensackenden Hochhäuser mitten in dicht besiedeltem Wohngebiet. Ein Block nach dem andern. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie viele Menschen darin und Umgebung gerade in Bruchteil einer Sekunde zermalmt werden. Die Zahl der toten Zivilisten, darunter viele Kinder, steigt rasant und ist mindestens das Zehnfache der Opfer in Israel. In Gaza gibt es keine Schutzbunker. Das israelische Militär weiß das und kann gar nicht garantieren, wie zugesagt, Zivilisten möglichst zu schonen. ...

Die Hamas spekuliert vielleicht darauf, dass angesichts dieser Bombenhagel und der vielen Toten, v.a. der toten Kinder, noch mehr Palästinenser ihren radikalen Positionen folgen statt denen der Abbas-Leute, wie es in der Geschichte schon immer gewesen ist, hoffend, auch außerhalb von Gaza Macht zu erlangen. Als die Anglo-Amerikaner deutsche Städte bombardiert hatte, hoffte man auf alliierter Seite, dass die Bevölkerung sich gegen das Regime wenden würde. Das Gegenteil trat ein. Man war noch mehr bereit, bis zum Ende weiterzumachen. Dieser Mechanismus funktioniert bis heute und ist bekannt. Die massiven Luftschläge der Israelis führen zu noch mehr Hass auf Israel. Und das fördert zusehends den Antijudaismus. Eine Spirale, ein Teufelskreis. Auf Seiten der Israelis wächst auch der Hass auf die Araber, der ohnehin schon da ist. Auch jüdische Kinder werden teilweise mit Hass gegen Araber erzogen. Es gibt schon Meldungen über Lynchmorde an Arabern. Der Hass regiert auf beiden Seiten. Das macht traurig.

Und weil das schon seit Jahrzehnten so ist, ist es umso schwerer, da raus zu kommen, was jetzt auf eine neue Stufe eskaliert. Man muss hilflos zusehen, wie Menschen sterben, Israelis und Palästinenser, wobei auf palästinensischer Seite mindestens zehn mal mehr gestorben wird. ...

Und es macht unsagbar traurig und zornig, dass an sich nachvollziehbare Wut über das Massensterben und Ungerechtigkeiten dazu benutzt wird, die Juden ins Visier zu nehmen und auch hier bei uns Hass zu säen, Synagogen und Menschen anzugreifen, nur weil sie jüdisch sind. Das ist menschenverachtend, und speziell auf Muslime bezogen auch unislamisch und nicht hinnehmbar. Jene Muslime sollten sich daran erinnern, dass der Prophet (s) sich gegen Juden völlig anders verhalten hat, als ein Teil der Muslime es heute tut. Jene Muslime sollten sich aber v.a. daran erinnern, dass Allah unter allen Umständen den Schutz von Gotteshäusern befohlen hat (22:40):

"Und wenn Allah nicht die einen Menschen durch die anderen abgewehrt hätte, so wären fürwahr Mönchsklausen, Kirchen, Bethäuser und Gebetsstätten zerstört worden, in denen Allahs Name häufig genannt wird."

Gotteshäuser, Moscheen, Kirchen, Synagogen, Tempel, ... stehen also unter Gottes Schutz. Wer das missachtet, selbst wenn er zornig ist wegen der Dinge im Nahen Osten, verstößt nicht nur gegen allgemeine Grundsätze des Friedens und des Zusammenlebens sondern auch gegen seine eigene Religion, widersetzt sich gegen den Befehl Gottes und gegen die Sunna des Propheten (s), der gegen Juden und Christen voller Respekt war und nur gegen Leute gekämpft hat, die ihn bekämpften, nicht gegen Zivilisten, Frauen, Kinder, Alte, nicht gegen jene, die nicht mit der Waffe in der Hand gegen die Muslime vorgegangen sind, und auch nur so lange, bis man aufgehört hat, ihn zu bekämpfen. In diesem Moment muss auch der Muslim die Waffen strecken. Darin liegt theoretisch die Lösung des Konflikts. Aber wer ist bereit, der Gerechtigkeit und dem Frieden wieder Geltung zu verschaffen. Der evangelische Altbischof Gerhardt Ulrich sagte kürzlich in einer Theaterpredigt zu den Nibelungen im Schweriner Staatstheater:  "Einer muss anfangen, aufzuhören" - wahre und sonnenklare Worte, doch scheinbar so schwer umzusetzen. Beten wir dafür, dass es dort endlich jemand tut. Am Ende muss Gerechtigkeit, Frieden und Freiheit für alle in gleichem Maße stehen. Denn ohne Gerechtigkeit für alle in allem und gleichermaßen ist Frieden und Freiheit nicht möglich - und der Hass regiert weiter und (be)trifft auch uns alle. Sonst ist alles vergebens und Illusion. Sonst werden wir mit ansehen müssen, wie Menschen weiterhin sterben, verletzt und traumatisiert werden.

Besonders kein Kind, ob israelisch oder palästinensisch, soll so etwas erleiden müssen und furchtbare Angst haben. Verängstigte Kinderaugen vergisst man nicht! Und den Anblick toter Kinder schon gar nicht! ...


Noch ein Wort zum Antijudaismus unter Muslimen:

Auch wenn es falsch und verlogen ist, den Muslimen, v.a. den seit 2015 eingewanderten den wachsenden Antisemitismus, genauer gesagt, Antijudaismus anzulasten, gibt es diesen hausgemacht doch schon seitdem es Juden hier gibt, d.h. seit 1700 Jahren, so kann sich niemand davonstehlen unter uns und die eigene Verantwortung übersehen. Wir Muslime dürfen nicht berechtigte Kritik und meinetwegen auch Zorn über die Vorgänge im Nahen Osten ummünzen in einen Judenhass, der rassistisch ist. Wenn wir uns beklagen müssen über zunehmende Islamophobie, zunehmenden Hass auf Muslime, dürfen wir nicht dasselbe tun gegen andere. Auch wir dürfen nicht mit Fingern auf andere zeigen und selber uns zu Judenhassern entwickeln. Der uns Muslimen allzu oft vorgeworfene Hass auf Juden mit der Behauptung, es würde im Quran so verankert sein, ist bekanntermaßen falsch. Denn im Quran vorhandene Äußerungen gegen Juden oder Christen beziehen sich ausschließlich auf das Handeln der Menschen. Im Quran wird kein Jude oder Christ, nicht einmal ein Kafir oder Muschrik, angegriffen dafür, was er ist. Kritik und Bestrafung ereilt nur jene Menschen, die auf verwerfliche Weise handeln, was übrigens nicht nur Nichtmuslime angeht sondern auch Muslime selber, v.a. die Heuchler. Es kommt nicht darauf an, zu sagen, man ist Muslim. Es kommt darauf an, wie einer zu handeln, zu reden und zu denken.
Sonst wären bestimmte Verhaltensvorschriften, bei denen mit den Nichtmuslimen Frieden zu halten, z. B. selbst gegenüber Götzenanbetern (Muschrikun) Asyl zu gewähren ist (siehe Quran 9:69), überhaupt nicht verständlich.

Wir Muslime haben auch in der Frage des Antijudaismus eine besondere Verantwortung, besonder in Deutschland, denn wenn einer, wie Imam Ali (a) in seinem 53. Brief an Malik al-Ashtar schrieb, nicht Bruder im Glauben ist, so ist er doch in der Schöpfung gleich. Er ist ein Mensch wie jeder andere.
Ob Muslim, Jude, Christ, Atheist, ... oder sonstwas. Antijudaismus ist Rassismus - und Rassismus ist gegen alles, was Islam ausmacht.

Rassismus ist dem Islam wesensfremd.

Unsere Pflicht ist es, gegen Rassismus, also auch gegen Antisemitismus / Antijudaismus aufzustehen und diesem ganz klar die rote Karte zu zeigen.
 
   
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