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"Allahu Akbar!" - eine Drohung?

 
   Allahu Akbar! - Allah ist am größten!

Immer wieder wird dieses kurze Gebet – nichts anderes ist es nämlich – scheinbar zum Signalruf von Terroristen. Immer wieder liest und hört man in den hiesigen Medien dieses kurze Gebet ausschließlich im Zusammenhang mit Terrorakten, verübt durch muslimische Fanatiker. Immer wieder hat man den Eindruck, als sei dies ein typisch terroristischer Schlachtruf und nur durch Terroristen verwendet.

Daher ist es kein Wunder, wenn dieses für alle Muslime so selbstverständliche kurze Gebet zum Stigma und von den Nichtmuslimen als bedrohlich empfunden wird. Wäre ich an ihrer Stelle und würde ich nur ihren Wissenstand haben, würde ich das wohl genauso sehen.

Daher will ich hier aus gegebenem Anlass heraus dieses kurze Gebet, auch „Takbir“ (etwa: Größenpreisung) genannt, einmal etwas näher beleuchten und es ins rechte Licht rücken. Immanuel Kants Aufklärungsmotto „Sapere aude!“ (etwa: Hab Mut, dich deines Verstandes zu bedienen!) sei Maßstab des eigenen Vorgehens. Ich liefere hier nur Material dazu.

„Allahu Akbar!“ wird in der Regel ungenau übersetzt mit „Allah ist am größten!“.

"Akbar" ist die Elativ-Form des Adjektivs كبير kabīr ("groß, großartig; wichtig"), mit der Bedeutung "größer", "am größten" oder "sehr groß". Der Elativ umfasst grammatisch sowohl den Komparativ (größer als) als auch den Superlativ (am größten). Der artikellose Elativ ist vor allem Prädikat oder  Apposition: "Allāhu akbaru" ("Gott ist [unvergleichlich] groß").* Der Elativ erfüllt jedoch nur in der Kombination mit der Präposition "min" die Funktion eines Vergleichs. Zum Beispiel: "Allāhu akbar min malāʾikatihi" ("Allah ist größer als seine Engel"). Ansonsten ist er Superlativ, d.h. "(immer) größer", i.S.v. „am größten“.
* Wolfdietrich Fischer: Grammatik des klassischen Arabisch. Wiesbaden 1972. S. 69; Carl 
   Brockelmann: Arabische Grammatik. Leipzig 1974. S. 69

Damit wird im Prinzip gesagt, dass Allah immer größer ist als alles, was sonst noch existiert. Größer, d.h. immer größer, als man es erfassen kann. Im Grunde wäre es "Allah ist (immer) größer als (alles andere außer Ihm)" zu interpretieren. Das aber gebietet dem Menschen, bescheiden zu sein und zu bleiben. Eigentlich führt dies zu Demut. Wir, ja selbst Könige, sind mit Gott verglichen Staub, wie ein arabisches Sprichwort besagt ("Mulûk al-ardh 'inda 'llâh turâb" - "Die Könige der Erde sind mit Gott verglichen Staub").

Es handelt sich bei dem „Takbir“ um einen sehr häufig verwendeten Ausdruck im Islam. Jedes Ritualgebet beginnt mit einer „Eröffnungspreisung“ (takbiratul ihram تَكْبِيرة الإحرام), die eine Anwendung des „Takbir“ ist. Auch im Gebetsruf (adhan) und im Gebetsaufruf (iqama) unmittelbar vor dem Ritualgebet kommt sie mehrfach vor. Und natürlich kommt es mehrfach in jedem rituellen Gebet und in jedem fakultativen Zusatzgebet vor. Ein Muslim spricht jenes „Allahu Akbar!“ also jeden Tag gut 150 bis 200 mal aus. Das „Takbir“ als Schrift bzw. Kalligraphie findet man sehr häufig (siehe oben) und ist auch Bestandteil z.B. der irakischen und iranischen Staatsflaggen oder der Flagge der 1969 gegründeten und heute aus 56 Mitgliedsstaaten bestehenden internationalen Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC).


                 

Auch in manchen abendländischen Werken wurde „Takbir“ bekannt gemacht, z.B. sagt Athos in Alexandre Dumas d. Ä. Werk "Die drei Musketiere": "Gott ist groß, wie die Anhänger Mohammeds sagen, und die Zukunft ist in seinen Händen." ("Dieu est grand, comme disent les sectateurs de Mahomet, et l’avenir est dans ses mains.". - Alexandre Dumas, Les Trois Mousquetaires, ed. par J.-B. Fellens et L.-P. Dufour, Paris 1849: Kap. XLVII (47), S. 367)

Nicht nur, dass auch arabische Christen das Takbīr kennen und gebrauchen, auch in der christlichen Theologie findet sich dieser Gedanke. Für Katholiken zum Beispiel ist ein Grundpfeiler der sog. ignatianischen Spiritualität (d.h. des Ignatius von Loyola, 1491-1556) die augustianische Maxime „Deus semper maior“, welche auf den Kirchenvater St. Augustinus (St. Augustinus von Hippo, 354-430) zurückgeht (Enarratio in Psalmum LXII, 16 : CCL 39, 804; vgl. Enzyklika Veritatis splendor v. Papst Johannes Paul II. v. 06.08.1993, S. 44, Nr. 41). Diese Maxime bedeutet "der je größere Gott" im Sinne von "Gott ist (immer) größer (als)". Ohne diese Grundlage wäre Loyola wohl auch nicht zu verstehen, indem alles Denken und Tun ausschließlich zur größeren Ehre Gottes geschehen solle.

In der Bibel selbst findet man natürlich auch Stellen, die davon sprechen, dass Gott (immer) größer ist als alles, was außer Ihm existiert, und Er auch gedanklich nie fassbar wäre, z.B.:

Psalmen 96.4: „Denn der HERR ist groß und hoch zu loben, wunderbar über alle Götter.“ (Luther) – Hebr.: כִּי גָדוֹל יְהוָה וּמְהֻלָּל מְאֹד נוֹרָא הוּא עַל־כָּל־אֱלֹהִים (ki gâdôl YHWH û-məhullâl mə’ôd nûrâ’ hû’ ‘el-kâl-elohîm)

Jeremia 10.6: „Aber dir, HERR, ist niemand gleich; du bist groß, und dein Name ist groß, und kannst es mit der Tat beweisen.“ (Luther) – Hebr.: מֵאֵין כָּמוֹךָ יְהוָה גָּדוֹל אַתָּה וְגָדוֹל שִׁמְךָ בִּגְבוּרָה (me’eyn kâmôxâ YHWH gâdôl atâh we-gâdôl shimxâ bi-gəvûrâh)

Johannes 10.29: „Der Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer denn alles; und niemand kann sie aus meines Vaters Hand reißen.“ (Luther) – Griech.: ὁ Πατήρ μου ὃ δέδωκέν μοι  ,πάντων μεῖζόν ἐστιν  ,καὶ οὐδεὶς δύναται ἁρπάζειν ἐκ τῆς χειρὸς τοῦ Πατρός. (ho Patēr mou ho dedōken moi pantōn meizon estin kai oudeis dynatai harpazein ek tēs cheiros tou Patros.)

1. Johannes 3.20: „daß, so uns unser Herz verdammt, Gott größer ist denn unser Herz und erkennt alle Dinge.“ – Griech: ὅτι ἐὰν καταγινώσκῃ ἡμῶν ἡ καρδία  , ὅτι μείζων ἐστὶν ὁ Θεὸς τῆς καρδίας ἡμῶν  , καὶ γινώσκει πάντα . (hoti ean kataginōskē hēmōn hē kardia hoti meizōn estin ho Theos tēs kardias hēmōn kai ginōskei panta.)

Daraus wird deutlich, dass die Gedanken- und Glaubenswelt von Muslimen und Christen einander recht nahe sind und sich immer wieder auch treffen. Und anhand der beiden hebräischen Bibelzitate aus dem Alten Testament wird  erkennbar, dass dies hinsichtlich des Judentums nicht anders sein wird.
[wird noch ergänzt]

Richtig ist, dass das „Takbir“ auch im Kampf verwendet worden ist. Denn alles, was der Mensch tut, will er nur für Gott tun. Andererseits hatte jedes Heer, ob muslimisch oder nicht, in früheren Zeiten stets den Gottesbezug auf den Lippen. Kreuzritter hatten stets ganz ähnlich gerufen. Da bildeten Muslime also seit Anbeginn keine Ausnahme.

Schaut man sich bei der Gelegenheit einmal an, wie es um die Kriege der letzten 200 Jahre bestellt ist, so wird deutlich, dass seither es keinen einzigen Feldzug eines muslimischen Staates (wir reden hier nicht von einer gewissen Terrororganisation, die sich den Titel "Staat" zulegt) gegen einen anderen gab, sieht man einmal von solchen Kriegen ab wie die Überfälle des Irak unter Saddam Hussein auf Iran und Kuwait, welche kein religiöses Motive hatten. Es gab seit mehr als 200 Jahren keinerlei Drohszenarien gegen Europa seitens muslimischer Staaten. Alle Angriffskriege der letzten 200 Jahre kamen ausschließlich von europäischer bzw. westlicher, nichtmuslimischer Seite. Zwei Weltkriege gingen von Mitteleuropa aus. Die Millionen umgebrachter Juden gehen nicht auf das Konto muslimischer Staaten. Sämtliche Kolonialkriege inkl. Völkermord kamen aus dem nichtmuslimischen Europa. Die Zahl ihrer Opfer geht in die 'zig Millionen. Nie hat aber bisher auch nur einer von Terrorismus gesprochen angesichts dieser Tatsachen. Stehen muslimische Truppen irgendwo in Europa oder in der westlichen Welt oder ist es nicht umgekehrt? Sind Bomben und Geschosse seitens muslimischer Armeen in Europa zum Einsatz gekommen? Sind es nicht westliche, auch deutsche Soldaten, die in muslimischen Ländern stehen? Sind auf Baghdad oder andere Städte und Dörfer in der muslimischen Welt keine Bomben gefallen usw. usf.? ...

Nun haben wir aber die Terroristen, die sich dieses Ausdrucks bedienen. Deren "Logik" ist in etwa folgende:

"Das tun wir im Namen dieses großen Gottes. Also: Der befiehlt uns das und das, was wir jetzt machen, ist nicht einfach unser Menschenwerk, sondern das entspricht dem Willen Gottes - und deshalb ist es gesegnet und es ist auch richtig so."
Somit wird "Allahu Akbar" ganz klar missbraucht, um dem Ganzen eine göttliche, eine absolute Legitimation zu geben und zu suggerieren:
"Das tun wir im Auftrag Gottes. Und deshalb darf man dem nicht widersprechen, sonst würde man Gott widersprechen. Man legt sich mit Gott an, wenn man sich mit uns anlegt.“

Gehört jenes „Takbir“ damit aber diesen? Muss das „Takbir“ also heute automatisch als Bedrohung gelten und sollte die Muslime dann darauf lieber verzichten, wie manche bereits fordern?

Dazu kann die Antwort nur so lauten: NEIN!

Weder haben Terroristen diesen Ausdruck gepachtet noch gehört er ihnen. In Wahrheit wird dieser Ausdruck um ein vielfaches Mehr von friedlichen Muslimen gebraucht, d.h. nicht als Schlachtruf sondern in seinem eigentlichen Sinne, als Gebet und Teil ihres Gebets. Es wäre dem Verstand völlig zuwider, einen von einer absoluten Minderheit im Grunde gotteslästerlich verwendeten Ausdruck diesen auch noch zuzusprechen und der absoluten Mehrheit, welche jenes „Takbir“ in seinem eigentlichen Sinne tagtäglich gebraucht, um Ihren Schöpfer zu lobpreisen, abzusprechen, es ihnen zu rauben. Jedes Gebet wäre dann unvollständig und damit ungültig. Und die Terroristen würden sich dann bei allen jenen recht herzlich bedanken, welche ihnen das „Takbir“ zum Geschenk machten, indem sie diesen vielleicht die Kehle durchschneiden. Denn nur solch Grausames ist ihre Sprache, fern jeder Menschlichkeit.

Doch ausgerechnet Islamhasser v.a. rechtsextremer Natur sind es, die „Allahu Akbar!“ den Terroristen zusprechen, wenn man sich im Internet umschaut, so dass es z.B. dazu kam, dass angesichts der brennenden Kathedrale Notre Dame in Paris in den social media zu hörendes „Allahu Akbar!“ ausschließlich als Freudenrufe der Muslime gedeutet wurden, was wunderbar ins Bild passt. Das ist dasselbe wie bei der "Auslegung" des Quran. Da decken sich in Methode und Inhalt die Extremisten mit den Islamhassern erstaunlich gut, so als würden sie sich verabredet haben. Beide benutzen haargenau dieselben in die Irre führenden Argumentations- und Deutungsmuster.

Es stimmt, dass es manche Muslime gibt, die sich freuen, wenn Kirchen und Synagogen brennen, obwohl gerade dieses dem Quran diametral entgegensteht, indem dort Kirchen und Synagogen als besonders schützenswert gesehen werden. Zum Schutz von Gotteshäusern heißt es darin unmissverständlich: 

وَلَوْلَا دَفْعُ اللَّهِ النَّاسَ بَعْضَهُم بِبَعْضٍ لَّهُدِّمَتْ صَوَامِعُ وَبِيَعٌ وَصَلَوَاتٌ وَمَسَاجِدُ يُذْكَرُ فِيهَا اسْمُ اللَّهِ كَثِيرًا
Wa-lau-lā dafʿu llāhi n-nāsa baʿḍahum bi-baʿḍin la-huddimat ṣawāmiʿu wa-biyaʿun wa-ṣalawātun wa-masāǧidu yuḏkaru fīhā smu llāhi kaṯīran.

(„Und wenn Allah nicht die einen Menschen durch die anderen abgewehrt hätte, so wären fürwahr Mönchsklausen, Kirchen, Synagogen und Moscheen zerstört worden, in denen Allahs Name häufig genannt wird.“ - 22:40).

Die Muslime gebrauchen „Allahu akbar!“ aber in der Regel, d.h. in der absoluten Mehrheit, als ein Gebet bei solchen oder anderen schlimmen Ereignissen, um Allahs Beistand zu bitten. Es ist dann ein Gebet der Betroffenheit, des Bestürztseins, der Schutzsuche. Wird ein Kind aus den Trümmern eines zerbombten Hauses lebend geborgen, wird ebenfalls "Allahu Akbar!" gerufen. Dann ist es ein Gebet des Dankes und der Freude.

Kurzum, es kann nicht Sinn der Sache sein, etwas so edles, wie „Allahu Akbar!“ zu verbieten und den Terroristen, welche angesichts des dem Islam völlig zuwiderlaufenden Mordens jenes „Takbir“ nur gotteslästerlich äußern können, diesen auch noch zum Geschenk machen. Das edle „Allahu Akbar!“ darf nicht den Extremisten überlassen werden! Da müssen wir Muslime dafür sorgen und den Fanatikern entgegentreten! Es muss Schluss gemacht werden mit dieser Gotteslästerei! Keine Rechtfertigung der eigenen Übeltat mit Gott!
Man würde ansonsten den Bock zum Gärtner machen.

Haiko Hasan Hoffmann, Schwerin, den 06.05.2019 / 01. Ramadan 1440

 
   
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