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Warum ist der schiitische Adhan etwas anders?

 


 Warum ist der Adhan bei den Schiiten anders als bei unseren sunnitischen Geschwistern?

von Haiko Hasan Hoffmann
1.) Ist "Asch-hadu anna Aliyyun waliyyullah" (etwa: "Ich bezeuge, Ali ist der Freund Allahs") Teil des Adhan, wie man es immer wieder mal hört?

2.) Ist "Hayya 'ala chairil 'amal" (Eilet zur guten Tat!) nicht eine bid'a (Neuerung in religöser Praxis)?


Alle schiitischen Gelehrten sagen ausdrücklich, dass die Nennung Imam Alis (as) im Adhan kein obligatorischer Bestandteil ist. Es darf also niemand behaupten, dass dieser Passus Pflichtteil des Adhan ist. Es wäre eine Bid'a, wenn dies so wäre. Es zu sagen als persönliches Bekenntnis ist nach schiitischer Auffassung lediglich mustahabb (empfohlen).

Übrigens ist überliefert, dass es durchaus üblich war, dass Herrscher in den Adhan sogar ihren Titel einfügen ließen. Der sunnitische Gelehrte al-Maqrizi berichtet in seinem Buche "al-Chitat" unter Berufung auf al-Waqidi und al-Baladhuri, nach der von diesen berichtet wurde, dass in der Zeit des Kalifats von Abu Bakr die Formel "assalamu alaika ya chalifatu rasulullah ..." eingefügt worden ist in Anlehnung an die frühere Formel "assalamu alaika ya rasulullah, hayya ala salat, ...", was dann Kalif Umar später noh erweiterte zum "assalamu alaika ya khalifatu khalifati rasulillah ...", bevor er es zu "assalamu alaika ya Amir al-Mu'minin rahimakallah ..." ändern ließ. Diese Praxis ist gemäß al-Baladhuri in der Umayyaden- und Abbassidenzeit gang und gäbe gewesen (vgl. I.K.A. Howard, The Developement of The Adhan and Iqama of the Salat in Early Islam, in: Journal of Islamic Studies XXV/2, Manchester Autumn 1981, S. 223.siehe - http://jss.oxfordjournals.org/cgi/reprint/26/2/219.pdf ). Hier kann man sehen, dass die von den sunnitischen Geschwistern angenommene unveränderliche Form des Adhan gar nicht gegeben war, sondern auch sunnitischen Überlieferungen zufolge durchaus Veränderungen unterlag, indem man die Herrscher ausdrücklich nach der Nennung des Propheten Muhammad (saaws) im Adhan mit bedachte. Dann stellt sich die Frage, warum den Schiiten dann angekreidet wird, dass diese Imam Ali (as) in ihrem Adhan nennen, und das nur mustahabb, während es in der Zeit der Umayyaden und Abbasiden üblich war, ihre Herrscher, die nicht zu den Ahlul Bait (as) gehörten, sogar recht ausgiebig im Adhan zu grüßen: "... assalamu alaika ya khalifatu khalifati rasulillah wa rahmatullahi wa barakatuh, hayya alas salat, hayya alal falah, ...". Ein wenig polemisch ließe sich hier gewiss sagen, dass Amirul Mu'minin Ali Ibn Abi Talib (as) gewiss der Würdigere gesesen ist, derart gegrüßt zu werden als seine Vorgänger (Abu Bakr, Umar und Uthman) sowie Nachfolger im Kalifenamt. 

zu 2.) Der Passus "Hayya 'ala chairil 'amal" (Eilet zur guten Tat!) ist fester Bestandteil des ursprünglichen Adhan. Es gibt Belege, die zeigen, dass ursprünglich dieser Passus Teil des Adhan war, welcher später zur Regentschaft des Kalifen Umar ibn al-Chattab aber herausgenommen worden ist. Der Überlieferung nach soll es aus dem Grund geschehen sein, weil der Kalif befürchtet habe, dass die Leute womöglich das Gebet bewusst gegenüber dem Djihad vorziehen würden. Bilal (ra) hat der Überlieferung nach diesen Passus noch im Adhan verwendet. In Maliks al-Muwatta' (in der Rezension von Muhammad b. al-Hasan ash-Shaybani, merkwürdigerweise aber nicht in der von Yahya b. Yahya al-Laythi) wird immerhin gesagt, dass noch Ibn 'Umar diesen gelegentlich gebrauchte (Kairo 1951, Band I, Seite 72). Der Rezensent ash-Shaybani vertrat indes die Ansicht, dass dieser Passus nur fabriziert sein könne. Später sagt dieses auch noch einmal Ibn Hazm in seinem "Kitab al-Muhalla" (Kairo 1951, Band III, Seiten 160-161). Die Behauptung einer Fälschung hat aber wohl eher antischiitischen polemischen Charakter, da allein schon der Isnad darauf hinweist, dass dies der klassische Standard-Isnad von Medina war: Malik - Nafi' - Ibn 'Umar. Diese Überlieferung befindet sich gemäß Ibn Hazm auch in Sunan al-Baihaqi (Ibn Hazm Kitab al-Muhalla" (Kairo 1951, Band I, Seiten 424-425, Fußnote mit Zitat aus Sunan al-Baihaqi). (vgl. I.K.A. Howard, The Developement of The Adhan and Iqama of the Salat in Early Islam, in: Journal of Islamic Studies XXV/2, Manchester Autumn 1981, S. 219ff - http://jss.oxfordjournals.org/cgi/reprint/26/2/219.pdf ).

Übrigens: Der Passus "As-Salatu chairun min an-naum " (Das Gebet ist besser als der Schlaf") im Adhan zum Morgengebet ist eine bid'a (Neuerung), die vom Kalifen Umar eingeführt worden ist. In der englischen Übersetzung von Imam Maliks Werk "al-Muwatta'" lautet der Hadith wie folgt:  "Yahya related to me from Malik that he had heard that the muadhdhin came to Umar ibn al-Khattab to call him to the subh prayer and found him sleeping, so he said, "Prayer is better than sleep," and Umar ordered him to put that in the adhan for subh . ["Yahya hat mir von Malik überliefert, dass dieser gehört habe, dass der Mu'addhin zu Umar ibn al-Chattab gekommen sei, um ihn zum Gebet zu rufen, indem er ihn schlafend vorfand, so dass er sprach: "Das Gebet ist besser als der Schlaf". Darauf befahl ihm Umar, dieses in den Adhan für das Morgengebet einzufügen." - Book 3, Number 3.1.8]

Nach alledem lässt sich gewiss sagen, dass die Schiiten mit dem Passus "hayya ala chairil amal" keine Bid'a (Neuerung) eingeführt haben, sondern dass diese in Wahrheit die ursprüngliche Form des Adhan bis heute bewahren, auch wenn Neuerungen, die auch durch Weglassungen geschehen können, die Mehrheit der Muslime dazu bringt, die ursprüngliche Form zu vergessen gemäß dem umayyadischen und abbasidischen Geiste - wenn da nicht die Schiiten wären. Es nimmt also nicht wunder, dass man den Schiiten dieses übelnimmt, weil sie bis heute verhindern, dass dieser Umstand wirklich in Vergessenheit gerät.

Stellt sich dann aber nur noch die einfache Frage: Warum will man es vergessen machen?

Wenn man die islamische Geschichte, insbesondere die der Frühzeit studiert, wird man auf Vieles stoßen, was bei Ehrlichkeit in der Suche und Mut zur Erkenntnis nur zu einem Grundschluss führen kann: Es ist nicht alles so gelaufen und es ist nicht alles so gegeben, wie es für die meisten aussieht.

[wird fortgesetzt, insha Allah]


Gebetsruf [adhan]
(Artikel aus http://www.eslam.de )

Aussprache: adhaan
arabisch:
أذان
persisch:
اذان
englisch: Prayer call


Der Gebetsruf [adhan] bedeutet wörtlich übersetzt in etwa "Ankündigung" und ist die öffentliche Bekanntgabe des Eintretens der Gebetszeit. Sie wurde eingeführt im ersten Jahr n.d.H. in Medina. Die Ursache seiner Einführung war nach Ansicht der Schia gemäß einer Überlieferung, dass Gabriel (a.) (a.) mit dem Gebetsruf im Auftrage ALLAHs zu Prophet Muhammad (s.) kam. Daraufhin bestimmte Prophet Muhammad (s.) seinen Gefährten Bilal zum ersten Gebetsrufer [muadhin].

Bei Sunniten herrscht hingegen die Meinung vor, dass eine andere Person einen Traum hatte, in dem ihm der Gebetsruf durch jemanden beigebracht wurde und als er diesen Traum dem Prophet Muhammad (s.) erzählte, habe er ihn befürwortet, da man ohnehin darüber nachdachte, wie man zum Ritualgebet aufrufen könnte als Alternative zu den Glocken der Christen und dem Horn der Juden.

Bei Sunniten wird jedes einzelne der fünf Ritualgebete mit einem Gebetsruf angekündigt. Bei der Schia gibt es drei Gebetsrufe am Tag jeweils zu Beginn der drei Gebetsperioden, in denen die fünf Ritualgebete gebetet werden.

Tabelle: Form des Gebetsrufes [adhan] nach den verschiedenen Rechtsschulen
Übersetzung
اللهاكبر
Allahu-akbar
Allah ist am größten
4 x
4 x
4 x
2 x
4 x
اشهد ان لا اله الا الله
Ashhadu an la ilaha il-lallah
Ich bezeuge es gibt keinen Gott außer Allah
2 x
2 x
2 x
2 x
2 x
اشهد ان محمدا الرسول الله
Ashhadu anna Muhammadan rasul-Allah
Ich bezeuge dass Muhammad der Gesandte Allahs ist
2 x
2 x
2 x
2 x
2 x
اشهد ان عليا ولي الله
Ashhadu anna Aliyyan waliyullah
Ich bezeuge dass Ali der Statthalter Allahs ist
2 x
-
-
-
-
حي على الصلاة
Hayya'ala-sala
Kommt zum Ritualgebet
2 x
2 x
2 x
2 x
2 x
حي على الفلاح
Hayya'alal- falah
Kommt zur Erlösung
2 x
2 x
2 x
2 x
2 x
الصلاة خير من النوم
al-salatu chayrun min-an-naum
Das Gebet ist besser als der Schlaf
(nur zum Morgengebet)
verboten
2 x
2 x
2 x
2 x
حي على خير العمل
ayyah'ala chayril-'amal
Kommt zur allerbesten Handlung
2 x
 
 
 
 
الله اكبر
Allahu-akbar
Allah ist am größten
2 x
2 x
2 x
2 x
2 x
 لا اله الا الله
La ilaha il-lallah
Es gibt keinen Gott außer Allah
2 x
1 x
1 x
1 x
1 x
Im Gegensatz zum Gebetsaufruf [iqama] wird der Gebetsruf mit Betonung und Klang verlesen, wobei die musikalischen Betonung nicht festgelegt ist und daher stark variiert.

Das Gebetsaufruf beinhaltet das Glaubensbekenntnis [schahada] sowie die Größenpreisung [takbirat]. In der dschafaritischen Rechtsschule besteht Konsens darüber, dass der dritte Satz: "Ich bezeuge dass Ali der Statthalter Allahs ist" kein Bestandteil des Gebetsrufs selbst ist sondern als empfohlene [mustahab] Aussage hinzugefügt wurde, da sie erst mit dem Ableben des Prophet Muhammad (s.) relevant wurde und von den Ahl-ul-Bait (a.) betätigt und unterstütz wurde. Hingegen wird die Aussage "Das Gebet ist besser als der Schlaf" bei Dschafariten nicht akzeptiert, weil sie gemäß Schia erst viel später eingeführt wurde und keine grundsätzlich akzeptable Aussage darstellt. Die Aussage "Kommt zur allerbeste Handlung" wurde gemäß Schia von Umar ibn Chatab aus dem Gebetsruf entfernt, da er die Anstrengung [dschihad] in seiner Zeit als bedeutsamer einstufte, weil es zu der Zeit viele Kriege gab und der Kalif die Gläubigen [mumin] zum Kampf ermuntern wollte. Dem entgegnen sunnitische Gelehrte, dass selbst wenn es so gewesen sein sollte,  was einige bestätigen, dann diese Änderung dennoch akzeptabel ist, da sie von einem nach ihrer Ansicht rechtgeleiteten Kalifen erfolgte. Ähnlich verhält es sich mit dem späteren Zusatz bezüglich Schlaf und den teilweise unterschiedlichen Anzahl von Lesungen der Passagen.

Der Gebetruf erfolgte früher ausschließlich durch die unverstärkte Stimme von einem hohen Ausrufpunkt aus. Spätere Bauten von Moscheen sahen das Minarett als geeignete Ausrufplattfom an. Inzwischen werden teilweise Lautsprecher verwendet, um dem Stadtlärm übertönen zu können. Der Gebetsruf ist zwar empfohlen aber bei keiner Rechtsschule unabdingbare individuelle Verpflichtung [wadschib-ul-aini] und auch keine Voraussetzung zur Gültigkeit des Ritualgebets. Daher sind oben beschriebene Unterschiede eine Gelegenheit für die Muslime, sich auch mit ihrer Vergangenheit zu beschäftigen und in trauter Einheit dem Ruf zum Ritualgebet zu folgen.

Der Gebetsruf entstammt dem Vorbild [sunna] des Prophet Muhammad (s.): Bei der dschafaritischen, hanefitischen und schafiitischen Rechtsschule ist der Gebetsruf empfohlen. Bei der hanbalitischen Rechtsschule ist der Gebetsruf eine kollektive Verpflichtung [wadschib-ul-kafai] für nichtreisende Männer in allen Städten für die alle täglichen Ritualgebete und für die malikitische Rechtsschule ist es ebenfall kollektive Verpflichtung, allerdings nur in solchen Städten, in denen das Freitagsgebet [salat-ul-dschuma] abgehalten wird. Wenn in derartigen Städten der Gebetruf unterlassen wird, so seien sie dafür gemäß Malikiten zu bekämpfen. Die letztgenannte Rechtsauffassung wird allerdings als äußerst fragwürdig eingestuft und hat keine praktische Relevanz in der heutigen muslimischen Welt. Derartige Nischenmeinungen werden aber bedauerlicherweise oft von manchen "Orientalisten" dafür missbraucht, um den Islam als Ganzes zu diskreditieren.

Der Gebetsruf nach draußen in die Öffentlichkeit gilt nur für Länder mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung. In Ländern mit muslimischer Minderheit erscheint eine Begrenzung des Gebetsrufs auf das Freitagsgebet, wie es mancherorts aus dem Gleichstellungsgrundsatz mit dem kirchlichen Glockenläuten praktiziert wird, kaum sinnvoll, da der Gebetsruf für alle Pflichtgebete gilt. Und es gibt keine einzige islamische Rechtsschule, bei der es religiöse Verpflichtung [wadschib] wäre, den Gebetsruf in einer mehrheitlich nichtmuslimischen Gesellschaft gegen den Willen der Bevölkerung nach Außen zu rufen.

Der Versuch in manchen Ländern den weltweit einheitlich arabischen Gebetsruf per Verordnung in der jeweiligen Landessprache rufen zulassen, wurde von den Muslimen abgewehrt.

Bei einem Neugeborenen ist es empfohlen den Gebetsruf leise in sein rechtes Ohr und den Gebetsaufruf [iqama] in sein linkes Ohr zu flüstern.

Links zum Thema

Gebetsrufe zum Herunterladen in Audio-Formaten


[mit freundlicher Genehmigung von  http://www.eslam.de]

siehe auch hier: http://makarem.ir/squestions/?lid=1&TypeInfo=23&CatID=24329
 
 
   
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