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Taqiyya


Taqiyya تقية

Taqiyya ist ein Begriff, von dem der deutsche Intellektuelle Ralph Giordano in seiner sehr deutlichen Gegnerschaft u.a. zum neuen Islamischen Zentrum in Köln in seinen öffentlichen Statements immer wieder mit erhobenem Zeigefinger belehrend und gebetsmühlenartig spricht. Nach seinem Worten ist Taqiyya einfach und schlicht Verstellung und Lüge, mittels derer die Muslime ihre wahren Absichten vor den Anders- und Nichtgläubigen verbergen. Mit anderen Worten: Wenn ein Muslim spricht, dann kann man nicht sicher sein, dass er die Wahrheit sagt, d.h. er ist ein potentieller Lügner, dem man halt nicht vertrauen könne. Denn er kann ja, so Giordano, ja er müsse sogar sich verstellen, um seine wahren Absichten zu verbergen. ... Mit diesem Totschlagargument lässt sich im Grunde jede Diskussion abwürgen. Um so trauriger ist zudem der Umstand, dass augerechnet Giordano so argumentiert, wo er doch selbst als Jude zu den von den Nazis schwer verfolgten Menschen gehörte, denen man einst auch Lüge und Verstellung unterstellte, was Hitler als einen Wesenszug des Juden sah.

Was aber ist denn nun Taqiyya, von der Ralph Giordano Ahnung zu haben scheint? Und hier liegt genau das Problem. Herr Giordano weiß in Wahrheit gar nicht, was Taqiyya ist.

Jedenfalls ist Taqiyya, soviel sei schon einmal verraten, nicht das, was Herr Giordano und manch andere sogenannte Islam-Experten der Allgemeinheit glauben machen möchten. 

In der Enzyklopädie des Islam finden wir folgende Erklärung:

Die Verstellung [taqiyya] ist eine im Islam erlaubte Methode zur Verheimlichung des eigenen religiösen Bekenntnisses, wenn das eigene oder anderes Leben oder der Bestand des Islam bedroht ist. Da letzteres nach übereinstimmender Meinung aller Gelehrten [faqih] nur in der Anfangszeit des Islam der Fall war, ist nur noch die Bedrohung von Leben die Ausnahmesituation, in der ein Muslim seinen Glauben öffentlich verleugnen und damit lügen darf, was ihm sonst strengstens verboten ist.

Einer der ersten, der die Verstellung im Islam angewandt hat war Ammar ibn Jassir, als vor seinen Augen seine Mutter Sumajja und sein Vater Jasir ermordet wurden, weil sie nicht bereit waren, dem Islam abzuschwören,  so tat er es, um sein Leben zu retten. Der Heilige Qur'an erlaubt dieses in diesem eine Sonderfall ausdrücklich (vgl. 16:106).

Wer Allah verleugnet, nachdem er geglaubt - den allein ausgenommen, der gezwungen wird, indes sein Herz im Glauben Frieden findet - jene aber, die ihre Brust dem Unglauben öffnen, auf ihnen ist Allahs Zorn; und ihnen wird eine strenge Strafe. (Qur'an, Sura [16] an-Nahl, Aya 106)

 

Ein weiteres Beispiel sind Said ibn Zaid und Fatima bint al-Chattab die nach ihrer Heirat ihrem gemeinsamen Übertritt zum Islam vor ihrem Bruder Umar ibn Chatab geheim hielten, weil sie befürchteten, von diesem getötet zu werden.

 

Die Verstellung bezieht sich nicht auf den Islam allein und wurde auch vorher von gottesehrfürchtigen Menschen angewandt. So erzählt die Bibel von Petrus, wie er in der Nacht der Kreuzigung seinen Glauben gleich mehrfach verleugnet hat, um sein Leben zu retten, wie es ihm Jesus (a.) vorhergesagt hatte bzw. nach islamischer Vorstellung ihn sogar damit beauftragt hatte.

Behauptungen, die Verstellung sei eine grundsätzlich Erlaubnis an Muslime gegenüber Nichtmuslimen in allen Bereichen zu lügen, stammen aus den Federn von Orientalisten, entbehren aber jeglicher Grundlage und dienen lediglich als Todschlagargument, um den konstruktiven Dialog zu verhindern, der den Beruf des Orientalisten überflüssig werden lassen könnte.

Soweit die Ausführungen aus der Enzyklopädie des Islam.  Sie bestätigen klar und deutlich, dass die Taqiya kein Freibrief für das Lügen ist, zumal dies gegen jeden Anstand und islamisches Recht verstoßen würde, da auch gegenüber Andersgläubigen wie auch gegenüber "Ungläubigen" stets ehrlich und redlich verfahren werden soll - außer es liegt ein extremer Notfall vor, wie er soeben ausgeführt worden ist, d.h. außer es geht um Leib und Leben. Und dieses kann sicher jeder nachvollziehen. 

Nachtrag: Auch wenn der Eindruck besteht, dass Taqiyya eine schiitische Methode sei, so ist kurz anzumerken, dass dies ein Irrtum ist. Zunächst ist es schon einmal im Qur'ân begründet (u.a. 16:106), zum andern haben auch namhafte sunnitische Gelehrte Taqiyya als legitime Methode des Schutzes bezeichnet, da dies eindeutig aus zahlreichen Quellen hervorgeht, angefangen von Sahih al-Buchari, Sahih Muslim über as-Suyutis Durar al-Manthur bis Ibn Sa'ds Tabaqat al-Kubra u.v.a.m.  (vgl. hier ).

Zum Thema "Lüge" siehe auch noch einmal hier.

 
   
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